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Das Tauwerk und was dahintersteckt

Wie beeinträchtigen Knoten die Festigkeit eines Seils? Und was unterscheidet einzige Herstellungsmaterialien? Alles über das Tauwerk, was Sie schon immer wissen wollten, aber bisher nicht zu fragen wagten. Tauwerk und was dahintersteckt...

In einem der letzten Artikel haben wir die neun wichtigsten Knoten für Segler und Seeleute vorgestellt. Über Knoten wissen wir also schon etwas. Wie sieht es aber mit dem Tauwerk aus? Seile – und besonders ihre Festigkeit – haben sehr viel mit den Knoten zu tun. Wir wissen wohl alle, dass jeder Knoten die Seilfestigkeit negativ beeinflusst. Nur wenige wissen aber, welche Materialien zur Herstellung der Seile wirklich verwendet werden und was man von jedem Seiltyp alles erwarten kann. Fürs Yachting, fürs Segeln ist sehr vorteilhaft zu wissen, welches Seil zu welchem Zweck am besten passt. Nur so kann man nicht nur die Freude am Segeln, sondern auch die Lebensdauer vom Tauwerk – und von sich selbst – verlängern. 


Ausführungen

Jede Leine wird auf eine andere Weise hergestellt, und zwar danach, wofür sie dienen soll, welche Eigenschaften wir unterstreichen, gegebenenfalls nicht verlieren wollen. Im Grunde genommen unterscheidet man geschlagene (gedrehte) und geflochtene Seile.


Die Ankerleinen und Festmacher müssen einer hohen mechanischen, aber auch chemischen Belastung widerstehen


Geschlagene Seile entstehen so, dass zuerst einzelne Fäden zu Garnen und Kardeelen gedreht werden und diese dann zu dritt, zu viert, aber auch zu zwölft in Gegenrichtung zu Seilen. Es hängt auch davon ab, wie fest gedreht wird. Die Festigkeit der Drehung entscheidet über die weiteren spezifischen Eigenschaften. Ganz fest geschlagene Kardeele lassen ein steifes, zähes Seil entstehen. Leicht gedrehte Kardeele lassen das Seil schmiegsam und weich.


Andere Seilsorten werden geflochten. Es gibt quadratgeflochtenes Tauwerk, Hohlgeflecht und Kern-Mantel-Geflecht. Sowohl die geflochtenen als auch die geschlagenen Seile können einen sogenannten Mantel haben. Der Mantel schützt den Seilkern gegen Beschädigung, wobei der Kern bei Belastung der Kräfte aufnimmt. 


Herstellungsmaterialien

Die Eigenschaften des Tauwerks bestimmt nicht nur das Material der Fäden, sondern auch – wie schon erwähnt – die Produktionsweise. Am Ende des Herstellungsproceses ist es die Kombination dieser Elemente, was dem Tauwerk seine Eigenschaften einprägt. Diese Kombination bestimmt, wie zäh oder elastisch, durabel oder flexibel das Sail sein wird. 


Polypropylen (PP)

Auf dem Boot kann Sie in bestimmten Situationen am meisten interessieren, ob das Seil auf der Wasseroberfläche schwimmt, oder nicht. Gerade diese Schlüsseleigenschaft gewährt das Polypropylen (PP). Die Herstellung dieses Materials und der Seile davon ist relativ sehr billig. Dieses Material ist besonders bei Zug- und Rettungsseilen zu finden.

Höchstwahrscheinlich ist auch Ihr orangenfarbenes Seil am Rettungsring auch aus Polypropylen. Und Ihr zu rettendes Besatzungsmitglied wird Sie auch lobpreisen, dass das geworfene Seil nicht gleich zum Boden geht. Es ergibt auch einen großen Sinn, dass die PP-Seile in strahlenden Farben gefertigt werden. Sie werden auch als Befestigungsseile benutzt, wo weiter auch von Vorteil ist, dass sie schwimmen. Das Polypropylen ist fest und sieht den Naturmaterialien sehr ähnlich aus.

 Geschlagenes PP-Tau

Polyamid (PA)/Nylon

Die Polyamid-Seile (PA) sind dagegen weniger tauglich fürs Segeln. Der Kontakt mit Wasser verringert nämlich ihre Festigkeit. Nach dem Kontakt zieht ein PA-Seil das Wasser in seine Strukturen und die Seilfestigkeit sinkt dramatisch. Schon bei einem 6%-Zuwachs am Gewicht verliert das Seil etwa ein Drittel seiner Festigkeit!

Es ist daher klar, dass die Polyamid-Seile (Nylon) nichts für regelmäßige Nutzung im Salz- und Süßwasser sind. Sie werden weniger benutzt und wenn, dann ausschließlich für Ankerleinen und Festmacher, wo sie üblicherweise aus genannten Gründen überdimensioniert sind.

Das Polyamid ist aber hervorragend elastisch. Mit dem Alter wir es hart und es ist nötig es vor der Sonne, UV-Strahlung zu schützen. Hard wird es auch im Kontakt mit Salzwasser. Wenn ausgetrocknet, gewinnt es die Tragfähigkeit zurück. 

Moderne Maschine stellt ein Nylon-Tau her

Polyethylen (PE)

Das Polyethylen (PE) ist dagegen fest, zäh und Wasser macht ihm nichts aus. Beim Tauwerk finden wir heutzutage das PE besonders in der Form von HMPE (High Modulus Polyethylen). Die Seile daraus sind bis zu achtmal fester und gleichzeitig bis zu achtmal leichter als Stahlseile. Sie sind beständig gegenüber den Chemikalien und sie schwimmen im Wasser. Sie besitzen niedrige Dehnbarkeit und sind daher sehr beliebt bei Besitzern von kleineren und Leistungsbooten. Ein großer Nachteil stellt einen höheren Verlust an Festigkeit beim Knotenbinden dar.    


Polyester (PES)

Der Polyester (PES) schwimmt zwar im Wasser nicht, ist aber sehr beständig und nicht zu viel dehnbar. Die Herstellung ist auch billiger. Die Polyesterseile sind daher an vielen Stellen auf der Yacht zu finden. 


Geflochtenes Polyester-Tau


Heute, wenn die Ansprüche an spezifische Seileigenschaften wachsen, benutzen die Hersteller auch verschiedene Kombinationen der synthetischen Materialien so, dass sie beim Seil möglichst beste Charakteristiken erzielen.


Seillagerung

Neue Seile kann man bis zu fünf Jahren ohne jede Beschädigung lagern. Man muss aber gewisse Bedingungen einhalten. Die Seile sind auf einem sauberen und dunklen Ort mit Zimmertemperaturen und -Feuchtigkeit zu lagern. Besonders gut schützen wir sie vor den Chemikalien, die ihre Festigkeit bis zu Null senken können, ohne dass man es vom Außen überhaupt merkt! Die Säure aus einer Batterie, Erdöl, Petroleum und ähnlich können solche Seilmörder sein.

Gute Lagerung kann nicht nur die Materialdegradation deutlich verlangsamen. Es gab auch
wissenschaftliche Experimente, die gezeigt haben, dass gute Lagerung einige Seileigenschaften sogar verbessert hat. Der größte Feind in diesem Sinne ist auf dem Meer natürlich die Sonne. Bei einigen Seilen kann man damit nichts tun, die anderen sollte man konsequent aufräumen. 


Was sollte man mit den Seilen überhaupt nicht tun?

Es ist ziemlich klar, dass die Seile vor übermäßiger Belastung, Reibung, Einwirkung von Chemikalien und Verschmutzungen, aber auch der Sonne zu schützen sind. Man tritt auf die Seile auch nicht. Dies ist nicht nur ein alter Aberglaube, es gibt auch einen guten Grund dafür – die Verschmutzung auf dem Boden oder auf den Schuhen kann die Faser beschädigen. 

Die Seile sind auch regelmäßig zu kontrollieren. Jede erhärtete Stelle muss höchste Aufmerksamkeit erregen. Dasselbe gilt für jede Beschädigung oder Verschiebung des Mantels oder Verdünnung des Kerns unter dem Mantel.

Jeden Knoten oder jede Verknotung binden wir auf. Falls ein Seil nur von einem Ende belastet wird, wechseln wir regelmäßig die Enden. 


Ein nicht zu alter Festmacher, der in einer windigen Nacht plötzlich gerissen ist

Festigkeit der Seile & Knoten

Es ist bei jedem Seil am wahrscheinlisten, dass es beim Knoten reißt. Bei üblichen Knoten muss man mit einer Festigkeitsabnahme von 30-60 % rechnen. Wie es bei konkreten Knoten aussieht, können Sie unserer Tabelle unten entnehmen.

Davor kann man nicht entweichen, es ist halt so. In sehr wenigen Fällen könnten wir die Seilverflechtung benutzen, die die Festigkeit fast nicht beeinträchtigt. Solches Verflechten ist aber zeitaufwändig und erfordert beträchtliche Erfahrungen.


Verflechten beeinträchtigt die Seilfestigkeit fast nicht

Wie beeinträchtigen einzelne Knoten die Seilfestigkeit? 

Achterknoten am Seilende -55 %
Kreuzknoten -55 %
Schotstek -50 %
Webleinstek -48 %
Palstek -36 %
Achterknoten -35 %

Festigkeit des Tauwerks selbst testen? Wenden Sie sich an mich!

Filip K

Filip K

Senior Sales Consultant