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"Fast" mitten in Europa einfrieren? Sowas kann auch beim Frühlingssegeln auf der Ostsee passieren

Pavel Kocych ist ein erfahrener Segler, Ausbilder und Prüfer. Man kann ihn oft in den rauen Gewässern der Ostsee treffen, wo er während des Sportsegelns andere Enthusiasten in die Geheimnisse des Segelns einführt. Was überraschte ihn diesmal, bevor er in die ungezügelten nordischen Gewässer ging?

Pavel Kocych ist ein erfahrener Segler, Ausbilder und Prüfer. Man kann ihn oft in den rauen Gewässern der Ostsee treffen, wo er während des Sportsegelns andere Enthusiasten in die Geheimnisse des Segelns einführt. Was überraschte ihn diesmal, bevor er in die ungezügelten nordischen Gewässer ging?


Einfrieren an der Ostsee aus der Perspektive von Pavel Kocych

Im vergangenen Frühjahr habe ich mich für eine weitere der vielen Ostseekreuzfahrten entschieden. Es war Ende März, der astronomische Frühling hat eben begonnen, die Sonne lehnte sich jeden Tag intensiver auf die Erde und die Natur hat sich in meiner Heimatstadt Prag langsam aus dem Winterschlaff erwacht. Und wie kann man die Rückkehr des Frühlings besser begrüßen als auf einem Segelboot?

 

Über Nacht sind wir mit unseren Autos durch Dresden und Berlin durch den fast sauberen Nordkurs an der Ostseeküste und dann über die Hochbrücke in Stralsund bis zum Rügen, unserem Starthafen gefahren. Am frühen Morgen haben wir die Autos dann auf dem Parkplatz hinter dem Hafen in der kleinen Insel Stadt Breege geparkt.

 

Deutscher Hafen Breege


Ich stieg aus dem Auto und da es zu früh war, um das Büro der dortigen Mola-Charterfirma zu besuchen, ging ich zu unserem fünfundvierzig Fuß langen Boot. Sie war da. Es schimmerte in den Strahlen der aufgehenden Sonne, das einzige am langen Holzsteg und bereit für unsere Kreuzfahrt. Nur das Meer war so seltsam ruhig.

Gleich war ich wieder am Auto.

 

"Ich denke, es wird nicht funktionieren, wir haben ein kleines Problem", sage ich zu der Crew, die in der Hoffnung einer frühen Abreise schon meine rote, abgenützte Seetasche aus dem Koffer herauszieht. „Du spinnst, oder?“ sagt ein Crew-Mitglied. "Ich nicht, geh mal drüber und schau". Sie alle machten ein paar Schritte, um den Hafen über dem Holzschuppen zu sehen. Und zwar das einzige Boot - "unser" Segelboot.

 

Sie war immer noch allein auf dieser seltsam ungewöhnlich ruhigen Oberfläche. Und um ihre Schwäne und Enten. Aber diese Vögel schwammen nicht herum, sie sind da rumgelaufen! Die glatte Oberfläche mit winzigen Wellen war kein Wasser, sondern Eis. Und es erstreckte sich so weit das Auge reichte.


"Dies ist eine lokale Anomalie"

Sie war immer noch allein auf dieser seltsam ungewöhnlich ruhigen Oberfläche. Und um ihre Schwäne und Enten. Aber diese Vögel schwammen nicht herum, sie sind da rumgelaufen! Die glatte Oberfläche mit winzigen Wellen war kein Wasser, sondern Eis. Und es erstreckte sich so weit das Auge reichte.

 

Etwa 300 Meter bis zur Bucht von Rügen blickten in der Ferne nur die isolierten roten und grünen Lichttürme, die mit Eis bedeckt wurden. Hinter ihnen befand sich die echte offene Meeresoberfläche. Genau die, die wir brauchten. Und diese kleinen Wellen auf dem Eis um mich herum haben zu seltsamen Mustern gefroren.

 

Naja, wir standen da alle zusammen mit der aufgehenden Frühlingssonne und wussten nicht, ob wir lachen oder weinen sollten. Die ganze Situation stellte eher einen komischen Blick dar: Acht tschechische Seeleute bereiteten sich auf eine Frühlingskreuzfahrt über die Ostsee nach Dänemark und Schweden vor und jetzt sollen sie nun mit diesen Bedingungen auseinandersetzen.

 

Bald erschien der erste deutsche Techniker. Er blickte über das Meer, sah uns an und verschwand im Büro im Erdgeschoss am Ufer. Bald kam ein anderer und mit dem Handy am Ohr verschwand er auch im Büro. Gleich darauf erschienen sie beide auf dem hölzernen Pier am Segelboot. Mit einer Latte testeten sie die Dicke des Eises. Das Eis war zu schwach, um einen Mann zu halten, aber stark genug, um ein Laminatschiff zu fangen.

 Sie war immer noch allein auf dieser seltsam ungewöhnlich ruhigen Oberfläche (foto Pavel Kocych)


Ich kam zu ihnen und sah sie fragend an.

"Dies ist eine lokale Anomalie", sagte einer von ihnen auf Englisch. Und er fügte hinzu, dass sich das Eis aufgrund der Temperatur leicht über Null innerhalb von zwei Tagen auflösen wird.

„Aber wir können nicht zwei Tage warten, wir haben das Boot nur für vier Tage gemietet. Wir müssen heute segeln!“

"Hmm" dachte der andere Techniker nach und fügte gleich dann hinzu: "Bitte warten sie einen Augenblick" und ging dann vom Pier weg.


Kahn zum Eisbrecher

Es hat nicht lange gedauert, bis ich die beiden Techniker auf dem anderen Ufer des Hafens gesehen. Sie starteten ein kleines Metallboot mit einem 20-PS-Außenbordmotor. Und ihr kleiner "Eisbrecher“ bricht kurz dann das erste Stück des Eises. Zuerst passierte nichts. Einer der Techniker tourte das Motor auf hohen, während der andere mit einer Metallstangemutig das Eis tapfer zerbrochen hat. Und dann begann das Eis vor dem Bug zu knacken, und das Metallboot schob sich Zentimeter vorwärts.

 

Es schien ein bisschen wie die modellierte Situation eines Eisbrechers beim Segeln unter dem Franz-Joseph-Land. Nur die Größe des Eisbrechers und die Dicke des Eises waren bedeutend kleiner... Aber leider ist das nicht gelungen, nach einer halben Stunde schreiendem Motor und dreißig Metern Eisstraße gaben beide Seeleute - Techniker - auf.

 

Aber was wäre es, wenn er kein Happy End gehabt hätte? Während beide gegen das Eis kämpften, kam ihr Chef ins Büro des Unternehmens an, bewertete die Situation rational und arrangierte ein Schiff aus dem nächsten nicht gefrorenen Hafen von Wiek, weniger als 20 Autominuten entfernt. In der nächsten Stunde standen wir mit einer Reihe gebundener Wintersegelboote am Betonpier, aus denen ich eines auswählen konnte.


Hafen Wiek


Eine Stunde später setzten wir endlich die Segel, ohne das Wasser im Tank, aber auf dem neuen 45-Fuß-Bavaria mit einem vollen Segel und zwei Heckruder, um unser nächstes baltisches Frühlingsabenteuer zu erleben.


Bis nach Kopenhagen

Nach 20 Stunden und nach der Überquerung der baltischen Ostseeküste in einem Kanal zwischen den Windmühlen außerhalb des Hafens von København (Kopenhagen), schenkte mir die Eisbewegung um die mit weißen, ausgeworfenen Sträuchern bedeckten, verstreuten Steinbänke nur ein leichtes Lächeln auf meinem Gesicht.

Autor: Pavel Kocych


København (Kopenhagen) 


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Filip K

Filip K

Senior Sales Consultant

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